Gepflegtes Melodrama mit Tout Va Bien

Da traut sich einer was: Jan Wouter van Gestel alias Tout Va Bien hat 2013 gleich zu Beginn seiner Solokarriere mit einem Cover des Jacques-Brel-Klassikers „Ne Me Quitte Pas“ auf sich aufmerksam gemacht. Und war dabei klug genug, nicht zu dick aufzutragen, sondern das weltberühmte Chanson geschickt gegen den Strich zu bürsten und mit eleganten Elektronika zu unterlegen. Jacques Brel trifft James Blake! Diese beiden Herren hätten sich sicherlich etwas zu sagen! Tout Va Bien hat inzwischen sein Debütalbum „Kepler Star“ vorgelegt, wo der mit Falsettstimme genüßlich in großen Gefühlen schwelgt. Wenn sich der 23jährige aus Mechelen ans Piano setzt, schmelzen Herzen melancholisch dahin. Kepler ist übrigens der Name einer Supernova, die schon lange verglüht ist, deren Schimmern durch die Galaxien aber immer noch zu uns dringt. Herr Wouter van Gestel ist offenkundig auf einer Mission: Er will die Sterne vom Himmel holen! Die Songs auf dem Erstling klingen warm und künstlich zugleich, was sich als überaus harmonische Mischung erweist. Diese Songs sind  nostalgisch und sind trotzdem auf der Höhe der Zeit. Manchmal sogar schon fast zu schön. Und wie die Saga es will, ist Tout Va Bien entstanden, weil der Musiker an heftigem Liebeskummer litt! Nachzulesen im schönen Interview  mit den Bloggerkolleginnen Brussel Sprouts. Auf dem Album gefällt das luxuriös überkandidelte, synthielastige „This Fight“ besonders gut. Der Track ist ein Herzensbrecher voller hehrer Gefühle. Und schafft es noch, in all dem emotionalen Bombast eine Friedensbotschaft zu verstecken!

Fledermausnächte mit Fabiola

Fledermäuse spielen im musikalischen Universum von Fabiola eine wichtige Rolle. Zumindest könnte man beim Betrachten des sehr coolen Videos „Kingdom“ auf diese Idee kommen, wenn die beliebteste Spezies aus der Gruselfilm-Menagerie in den blauschwarzen Abendhimmel entschwindet. Hinter Fabiola steckt der Musiker Fab Detry, der bereits seit über zehn Jahren in verschiedenen belgischen Bands aktiv ist, unter anderem bei den famosen Hallo Kosmo, die es leider aus traurigen Gründen nicht mehr gibt. Aber nun: die Gegenwart! In der Fabiola dem ironischen, plüschigen und verspielen Synthiepop huldigt. Und sich als begeisterter urbaner Nachtschwärmer outet. Das Ergebnis klingt so künstlich wie Prickel Pit und zischt übermütig auf der Zunge. Und versprüht trotz aller Synthiefanfaren einen naiven Charme. Als würde Monsieur Detry gerne aus seelenvollen Vampiraugen den Mond anheulen. Und dabei traurig und überschwänglich zugleich sein! Denn merke: Hinter jedem Gothic-Movie-Aficionado steckt ein kleiner Romantiker! Wer seine eigenen Töne augenzwinkernd als „Überpop“ bezeichnet, der bekommt sowieso Pluspunkte! Suchmaschinenfreundlich sind weder Band- noch Songname, aber das wollen wir Fabiola gerne verzeihen, wenn sie noch mehr feine Songs vorlegen! Zu denen man sogar zu mitternächtlicher Stunde noch mitpfeifen möchte!