Die Damen mit den Hirschgeweihen: Faon Faon

Ein charmantes kleines Chanson über Eskimos? Solche Kleinigkeiten zaubern die beiden Damen von Faon Faon scheinbar mühelos herbei. faonWenn man die eigene Girlband schon nach Hirschkälbern benennt, dann geht das wohl ganz einfach. Olympia Boule und Fanny Vanilia, so heißen die Musikerinnen aus Brüssel, die mit einer federleichten und schrägen Mischung aus französischem Gassenhauer, Weird Folk, elektronischem Spielkram und HipHop ihre ganz eigene Nische besetzen. Das klingt ebenso fragil wie selbstbewusst und immer poetisch. An Poetry Slams könnten die Mademoiselles allemal teilnehmen, bevor sie wieder in Richtung frech-naiven Kinderzimmerpop wechseln und in feine Harmoniegesänge ausbrechen! Tribalen Beats sind die beiden ebenfalls nicht abgeneigt. Allzu ernst nehmen sich Faon Faon erfreulicherweise nicht. Die beiden sind  Philosophinnen des Alltags, die mit Bonmots zum Thema Ehe wie  „C’est comme le latin, c’est beau mais ça ne sert plus à rien“ aufwarten: Die Ehe ist wie Latein, das ist schön, aber völlig nutzlos! Ein kleines Chanson mit dem kryptischen Titel „FSLD V2″ gefällt ausgesprochen gut – so weit es meine Französischkenntnisse zulassen, geht es hier ums Singen unter der Dusch: Ein Track, der längst überfällig war! Jedenfalls sind das Töne, zu denen man vergnügt durchs Wohnzimmer  steppen und sich trotzdem schlau vorkommen kann.

 

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Gelassene Träumer: YellowStraps

Sehr gelassen, fast schon abgeklärt klingen YellowStraps auf ihrer Debüt-EP „Whirlwind Romance“. Sie  zelebrieren elegant verlangsamte, geradezu klassische Electronica mit Ambient-Touch für die Stunden nach Mitternacht. Dazu der smarte, erwachsene Schmelz in der Stimme des Sängers: Das müssen coole, lebensweise Enddreißiger sein, die schon einige emotionale Tiefschläge verkraften mussten. Sicherlich sind das erfahrene Clubgänger, die sich an den lauten Tönen nicht mehr abarbeiten müssen. Ganz falsch gedacht! YellowStraps, das Ensemble aus den Brüdern Yvan und Alban Murenzi und ihrem Freund Ludovic Petermann sind minderjähig aussehende Nachwuchskräfte aus der Kleinstadt Braine L`Alleud vor den Toren Brüssels. Das Trio kennt sich schon seit Jungpfadfinder-Tagen. Die fünf Tracks des Erstlings sind mitnichten in clubnahen Studios entstanden, sondern größtenteils im Schlafzimmer des Elternhauses. Die Drei, die sich live mit einem Schlagzeuger verstärken, werkelten bereits als Fünfzehnjährige an ihren Songs. In Belgien haben diese völlig unbeschriebenen Blätter im vergangenen Jahr überraschend bei den Red Bull Elektropedia Awards in der Kategorie „Most Promising Artist“ gewonnnen. Holla!

Ihre Musik beschreiben YellowStraps als Mischung aus Hip Hop, elekronischer Musik und Jazz. Fügen wir ruhig noch eine Prise Weltschmerz-Pop hinzu, und vielleicht auch noch ein Gran chansoneskes Geschichtenerzählen. Geben diese jungen Träumer doch selbstbewusst zu, dass sie bevorzugt Songs über die Liebe schreiben. Sie tun das erfreulich pathosfrei, unsentimental, klug und klaräugig. Nurt selten holen sie wie im wundervoll schwelgerischen Track „Leap Of Faith“ zur großen Geste aus. Aber dann gehen sie mitten ins Herz. Wo sie sich in fünf Jahren sehen? Lieber nicht darüber nachdenken, das ist ja furchteinflößend! Sagen sie. Könnte aber auch sein, dass man auch außerhalb der Landesgrenzen von YellowStraps hört. „Whirlwind Romance“ kann man zur Gänze via Soundcloud lauschen.