Belgium Booms at Iceland Airwaves 2015!

Dass aus Belgien aktuell aufregende, wilde und eigenwillige Töne kommen, hat sich mittlerweile sogar bis Reykjavík herumgesprochen. Denn bei der diesjährigen Ausgabe des fünftägigen, hochkarätig besetzten Musikspektakels Iceland Airwaves in der isländischen Haupstadt gab es nicht nur absinthgrüne Nordlichter am Abendhimmel zu bestaunen, sondern gleich zwei belgische Bands: BRNS und Great Mountain Fire. Airwaves-Chef Grímur Atlason hat gut gewählt: Denn BRNS und Great Mountain Fire sind in ihrer verspielten Schrulligkeit, unbedingten Leidenschaft, und aufregenden Unberechenbarkeit irgendwie….isländisch im Herzen! Dass sich zu beiden Bands bestens abtanzen lässt, das ist die Cocktailkirsche auf dem Sahnebecher. BRNS mit ihrem riesigen Arsenal an Spielzeug-Instrumenten, an Tröten und Hupen und Glockenspielen, kommen in Reyjkavík, wo der Do-It-Yourself-Ansatz in der Musik hochgehalten wird, bestens an. Dazu ein aus Leibeskräften singender Schlagzeuger, ein Rumpelstilzchen-Keyboarder und ein Gitarrist, der einen Saitenriss mit Bravour wegsteckt: Im kleinen Keller-Club der Bar 11, wo BRNS im Rahmen des  Off-Venue-Programms auftreten, steht das einheimische isländische Publikum Nase an Nase mit sämtlichen Exil-Belgiern und -franzosen der Atlantikinsel. Die unbändige Energie und Spielfreude der Belgier („we are a band from Brussels“) überträgt sich in der knappen halben Stunde prontissimo aufs Publikum: „I never been to Mexico, ooh-ooh!“ Davon hat man auch auf Island schon gehört. Sehr schweißtreibend, sehr intensiv, sehr lebensprall!

Für die ganz große Überraschung aber sorgen Great Mountain Fire im Konzertsaal Gamla Bío. Von BRNS mag man vielleicht schon gehört haben dort oben, die haben in der Blogosphäre reichlich Wind verursacht. Aber Great Mountain Fire sind in Reykjavík ein weißes Blatt Papier. Und dass diese fünf tropischen Waldschrate es schaffen, einen ganzen Saal subito zum Tanzen zu bringen, das ist eine Leistung! Die farbenfrohe, sympathisch-anarchische Truppe hört sich rotzfrech, superlebendig und sehr sinnlich an: Als seien die Talking Heads irgendwann Mitte der 80er auf Kuba verloren gegangen! Das nervöse, überkandidelte Großstadt-Feeling von „Remain In Light“ geht hier in die Cha-Cha-Bar und trinkt Cocktails mit quietschbunten Papier-Sonnenschirmchen auf der Ananas. Der Keyboader mit seinem beeindruckenden Rauschebart sieht so aus wie ein Exil-Wikinger, der bei Geburt versehentlich nach Brüssel vertauscht wurde. Dem Mann, der mit der Grazie eines Grizzly-Bären tanzt, dem fliegen hier die Herzen entgegen. Nach 20 Minuten tanzt das Publikum freudestrahlend mit wiegenden Hüften und blitzenden Augen. Wir hätten gerne noch lange so weitergemacht mit diesen angenehm verrückten Fünf, die vor kurzem ihr Album „Sundogs“ veröffentlicht haben. Der Albumtitel passt!

 

 

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