Unberechenbar träumen mit Yuko

Wer in seinen gesammelten Werken mit einen Instrumentaltrack mit dem schönen Titel „Feuchttücher“ aufwarten kann, dem ist meine Sympathie schon mal unbedingt gewiss. Wie kommen Yuko aus Gent bloß auf diese Idee? Die Band um Mastermind Kristof Deneijs bleibt die Erklärung nonchalant schuldig. Seit Jahren bewegt sich das Quartett mit selbstbewusster Bescheidenheit zwischen Weirdpop, Folktronica und Postrock und singt mit viel Herzblut etwa darüber, dass das Love Interest ein Desaster ist. Das wird achselzuckend hingenommen und ein schlunzig poetischer Song namens „You Took A Swing At Me“ darüber geschrieben. Der Track entwickelt hinterrücks einen soghaften Charme und zieht sachte hinunter in emotionale Tiefen, ohne dabei je wehleidig oder, Gott behüte!, melodramatisch zu werden. Yuko stapeln lieber tief und deuten die Dinge an, als sie plakativ auszuprechen. Ist ja viel spannender so! Im vergangenen Jahr hat die Band ihr drittes Album „Long Sleeves Cause Accidents“ vorgelegt. Ursprünglich war geplant, einen Longplayer mit eigenwilligen Coverversionen von Kirchenliedern vorzulegen. Davon ist man abgerückt, aber eine gewisse religöse Inbrunst ist hier immer noch zu vernehmen, wenn man ausufernd nachdenkt und die Geister aus der Vergangenheit beschwört. Der Albumtitel nimmt übrigens Bezug auf einen populären Slogan aus dem Zweiten Weltkrieg, mit dem Frauen an die verlassenen Werkbänke ihrer in den Kampf gezogenen Männer gerufen wurden. Ärmel hochkrempeln! Ähnlich hat es wohl auch die Band selbst getan und hat sich in ihrer kleinen Jolle auf dem weiten Ozean zu neuen Abenteuern aufgemacht. Wie um sich noch souveräner allen vorschnellen Verortungen zu entziehen, haben Yuko die klassische Sopranisten Deborah Cachet eingeladen, auf einigen Tracks Guest Vocals beizutragen. Und dann wird es im meist katzengrauen Universum von Yuko eigenwilligerweise grenzwert-melodramatisch. „A Couple Of Months On The Couch“ ist mitnichten leicht zu goutierende Kost. Geduld ist hier gefragt: Es geht bescheiden genug los, nur um dann zu hymnenhafter Hochform aufzulaufen!

Die sehr feine Cover-Gestaltung stammt übrigens wie schon beim Vorgänger-Album „For Times When Eyes Are Sore“ von Londoner Illustrator David Foldvari.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s