Musik aus den Wäldern mit Birds That Change Colours

Was tut es mit der eigenen Musik, wenn man ein Album in den Wäldern aufnimmt? Mit Birds That Change Colour kann man ausführlich über diese Frage nachdenken. Denn das Septett aus Antwerpen hat sich für sein zweites Album „On Recording Birds“ in die tiefsten Wälder der Ardennen zurückgezogen.

Dass hier mitunter Vogelgezwitscher zu Gitarrenklängen zu hören ist, muss also nicht wirklich wundern. Die Waldschrate (sehr bärtig) und Waldfeen (im Wallekleid) sind auf diesen Aufnahmen tiefenentspannt und hellwach. Lassen die Blumenkinder-Herrlichkeit der 6oer wieder aufbleben und intonieren latent aufmüpfige, sehr handgemachte Songs zur Gitarre. Bieten eine charmante Mischung aus britischem Folkpop (eigenwillig und ironisch) und dem US-Pendant (naiv verträumt) und machen sich erfreulicherweise ihren eigenen Reim darauf. Für  diese harmonieverliebten Songs muss man sich Zeit nehmen und darf bloß nicht den Fehler begehen, die bunte Großgruppe aus der Hafenstadt vorschnell als harmlose Späthippies abzutun. Denn die vom Singer-Songwriter Koen Kohlbacher im Jahr 2008 gegründete Band macht allzu gerne Ausflüge gen psychedelische Gegenwelten und führt uns dann sachte ins Dickicht, wo die Dinge keineswegs immer lieblich sind. Das verträume Treibenlassen endet fast unmerklich und weicht einer Stimmung latenter Bedrohung. Mag schon sein, dass inmitten der dichten Wälder ein Hexenhaus steht, dessen Bewohnerin eher üble Dinge plant! Von sorgloser Heimeligkeit also keine Spur hier! Via Bandcamp kann man „On Recording Birds“ zur Gänze lauschen.  Am besten bei schmuddeligem Regenwetter! Und wer Zeit hat, dem sei besonders das ausufernde „Songs Till May“ ans Herz gelegt, das harmonisch genug beginnt, um dann unversehens ins Unheimliche umzukippen. Im Wald kann man sich nämlich auch verlaufen!

Wer die Verfasserin dieser Zeilen Mitte der Woche zum Eurosonic Festival nach Groningen fährt, kann Birds That Change Colour übrigens live erleben. Wie zahlreiche andere belgische Bands, darunter auch die wunderbare Mélanie De Biasio, die auf dem Festival übrigens mit einem europäischen Nachwuchspreis ausgezeichnet wird. Unter Belgium Booms kann man sich einen Überblick verschaffen.

 

 

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