Dekadenz 1.0 mit Lohaus

Wer war denn bloß Bernd Lohaus, der den Namensgeber für die junge belgische Elektropopband Lohaus gibt? Man muss selbst als einigermaßen kunstinteressierter deutscher Mensch die Firma Wikipedia befragen. Also: Ein Avantgarde-Bildhauer aus Düsseldorf, den es der Liebe wegen nach Antwerpen verschlagen hat. Wo er gemeinsam mit seiner Gattin die experimentierfreudige Galerei Wide White Space betrieb. Aha! Lohaus kommen, so weit ich das überblicke, aus dem flämischen Örtchen De Kempen. Die vier Nachwuch-Nerds sind im elegant verschachtelten und auf üppige Weise mit den Emotionen spielenden, wunderbar verlangsamten Synthiepop zuhause. Durch den schwüle südliche Düfte streichen. Seinen hohen Wiedererkennungswert bezieht das bislang sehr schmale Werk des Quartetts aus den dandyhaften Falsett-Vocals des Sängers. Die so schön dekadent und überkandidelt klingen! Man hat sich das ungefähr so vorzustellen wie die Stunde, in der Brian Molko sachte in den Winterschlaf sinkt. Eine gewisse Seelenverwandschaft des Placebo-Sängers zu Belgien ist ohnehin vorhanden: Denn nur wenige wissen, dass Molko in Brüssel geboren wurde!

Lohaus also. Verschattete Nachdenklichkeit, gehobene Melancholie, elegante Nachtpoesie. Sich treiben lassen wie alle gehobenen Taugenichtse dieser Welt, auf der Suche nach der schwarzen Blume. Ein wenig Überdruss und ein wenig altkluge Romantik. Das sind Töne für alle blauen Stunden dieser Welt, in denen man müßig auf dem Sofa liegt und den verpassten Gelegenheiten nachtrauert. Aber nicht zu sehr. Lieber kostet man die bittersüßen Gefühle aus, berauscht sich an Pastellfarben und betrinkt sich mit Absinth. Und lässt sich von reduzierten, zutiefst schwarzromantischen Balladen überwältigen. Hach! Das klingt so wundervoll nach Fin de Siècle!

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4 Kommentare zu “Dekadenz 1.0 mit Lohaus

  1. Ich war am Wochenende im Täubchenthal Leipzig zu Balthazar. Support-Act waren Lohaus (die fand ich — auch wenn Balthazar großartig waren, jedoch um Längen besserer). Allerdings waren die Antwerpener als Trio unterwegs, nicht mehr als Quartett.

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