Stummfilmmusik mit We Stood Like Kings

Stummfilmmusik muss expressiv sein. Emotionen tiefenscharf widerspiegeln. Und trotzdem eine gewisse Leichtigkeit und Luftigkeit vermitteln, die dem visuellen Medium des Films eigen ist. Und was könnte sich für Stummfilmmusik besser eignen als der instrumentale Postrock? Der war leider im Jahre 1927 noch nicht erfunden, als Walter Ruttman den experimentellen Dokumentarfilm „Berlin: Die Sinfonie der Großstadt“ drehte. Der in scheinbar flüchtigen Assoziationen den Tagesrhytmus der Metropole in bewegten Bildern widerspiegelte. Fast 75 Jahre später machen sich die belgischen Instrumentalrocker We Stood Like Kings daran, diesen Stummfilmklassiker mit ihren leidenschaftlichen, zarten und elegischen Tönen zu unterlegen. Das Quartett kommt aus allen Landesteilen Belgiens und ist in Brüssel basiert. Und tritt einmal mehr den Beweis an, dass die zu fein ausufernden Tracks neigenden Postrocker die letzten Romantiker auf Erden sind. Die mit zarter und heftiger Hingabe die großen Spannungsbögen aufbauen. Im Zentrum steht das Piano von Judith Hoorens, das sich hier auf eine empfindsame Bildungsreise in die 20er Jahre begibt. Im idealisten Falle goutiert man diese Töne live im Kino, parallel zur Aufführung des Filmes. Und dieser Post wird unter anderem auch deshalb verfasst, weil das deutsche Publikum Anfang Januar 2015 in Oldenburg, Marburg und München eben in diesen Genuss kommt. Genauere Angaben hier.

Den Belgiern gelingt es auf „Berlin 1927“ übrigens mit erstaunlicher Mühelosigkeit, zwischen den Stimmungen zu wechseln: verträumt, episch, nachdenklich, heftig, strahlend. Und tragen erfreulicherweise an keiner Stelle zu dick auf, sondern lassen die Dinge lieber in der Schwebe. Gut so! Via Bandcamp lässt sich ein wunderbarer erster Eindruck in das musikalische Universum von We Stood Like Kings gewinnen. Die sich übrigens auch bei ihrem nächsten Projekt der neuen Vertonung klassischer Stummfilme gewidmet haben. Dieses Mal geht es um den russischen Klassiker „A Sixth Part Of The World“ von Dziga Vertov aus dem Jahr 1926. Album erscheint im kommenden Jahr!

 

 

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