Robbing Millions: Hier zieht ein Sturm auf

Dass sie ihre Instrumente virtuos beherrschen, wollen Robbing Millions lieber nicht zu sehr an die große Glocke hängen. Stattdessen demonstrieren sie vordergründig eine straßenköterstruppige Indierock-Attitüde, nuscheln ins Mikrophon und tun alles dafür, damit sie im Gesamtbild so verwaschen aussehen wie Curt Cobains legendärer rot-schwarz-gestreifter Ringelpulli. Die Fünf aus Brüssel um den Gitarristen Lucien Fraipont veröffentlichen dieser Tage ihre erste EP „Ages And Sun“ und entern die Szene als eigenwillige Grenzgänger zwischen Rock, Pop und uuups: Psychedelik! Angejazztem! Dahingefolktem! Lassen die Klampfen lärmen, aber entwerfen dabei vielschichtige Sounds, die erfreulicherweise nirgendwo richtig heimisch werden wollen. Irgendwie wird man hier das Gefühl nicht los, dass diese Jungspunde am liebsten Anfang der 70er in irgendwelchen Kneipenhinterzimmern den lieben langen Tag nur mit befreundeten Musikern gejammt hätten. Und den Absinth dabei nur so weit als Stimulanz verwendet hätten, wie dieser der Steigerung der Kreativität zuträglich wäre.

Die Lust am Improvisieren ist diesen Nachwuchskräften anzuhören. Lebendigsein heißt für diese Jungs, dass Präzision und Schlunzigkeit sich keinesfalls als Feinde gegenüberstehen, sondern sich im idealen Fall wunderbar ergänzen. Robbing Millions lassen in entspannt verschachtelten Tracks wie „Ritualistic“ einen Sturm aufziehen, der uns die Ohren durchpustet. Sind souverän entspannt dabei, ohne an Spannung zu verlieren. Hier muss man intensiv zuhören, um alle Zwischentöne mitzubekommen. Robbing Millions denken laut nach. Und machen aus ihren vertrackten Gedankenflügen schlaue Songs, die Haken schlagen wie die Feldhasen. Klar, man schaut in erzcoolen Tracks wie „Kitchen Girls“ in Zeiten zurück, als das rhytmische Schwingenlassen langer Haare noch als Zeichen der Revolte galt. Aber man fügt die Kunst der präzisen Träumerei hinzu. Hohe Disziplin mit entspannter Verspieltheit verbinden, das soll gehen? Aber ja doch!

Der EP „Ages And Sun“ kann man zur Gänze via Bandcamp lauschen. Was unbedingt zu empfehlen ist! Vor meinen Fenstern ist der Nebel gerade so dick, dass man ihn mit Kuchengabeln schneiden könnte. Es ist November. Vielleicht die beste Zeit, um Robbing Millions zu lauschen und in diesen Tracks immer wieder neue Facetten zu entdecken!

 

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