Simpel ist das nicht, Brns!

Zunächst mal ein lebenspraktischer Rat: Niemals, niemals mit drei Mülltüten in den Händen die Treppe herunterflitzen und eine Stufe verpassen. Dann droht nämlich Folgendes: Man verliert den Halt, rudert wild mit den Händen und klatscht mit dem Kopf voraus auf den Steinfußboden, nett dekoriert vom Papiermüll. Man holt sich eine leichte Gehirnerschütterung und sieht mit zwei sehr verschwollenen blauen Augen so aus wie der Verlierer eines rüden Boxkampfes. Mitleidige Blicke in der Straßenbahn folgen: die arme Frau, bedauernswertes Opfer häuslicher Gewalt! Und  in der Konsequenz führte der Treppensturz dazu, dass ich das Konzert von BRNS aus Brüssel in Frankfurt auslassen musste. Schade! Denn das Quartett aus der belgischen Hauptstadt spielt anspruchsvollen, angedüsterten Indierock für komplizierte Menschen. Die sich gerne dorthin führen lassen, wo die Dinge nicht eindeutig sind und bequem schon garnicht. Das ist nervös und hibbelig, was BRNS spielen, eingetrübt irgendwie. Und sehr, sehr lebendig. Und unvorhersehbar und irgendwie dann doch hypnotisch. Aus der Verunsicherung eine Tugend machen. Anfangszwanziger-Lebensangst in etwas umformen, was schlau ist und mitunter wehtut. Nein, simpel ist das nicht, was BRNS spielen. Aber immer leidenschaftlich. Vertrackt. Laut. Aufbegehrend. Und aufrüttelnd. Wir finden hier eine wilde Schönheit in Ecken, in denen wir sie nie vermutet hätten. BRNS haben dieser Tage ihr Debütalbum „Patine“ herausgebracht. Es ist nervös. Es irrlichtert. Und es ist großartig.

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