Die Katastrophentussi: Nele Needs A Holiday

Wenn irgendwas auch nur harmlos im Wege herumliegt, dann wird Nele mit Sicherheit darüberstolpern. Und zwar auf solch unglückliche Weise, dass es dabei auch noch völlig peinlich wird. Die junge Frau aus Gent mit derzeitigem Wohnsitz in London nennt ihr musikalisches Ein-Frau-Projekt Nele Needs A Holiday und inszeniert sich als selbstironische,  liebenswert-tolpatschige Katstrophentussi irgendwo zwischen Miss Li und Kate Nash. Sie schreibt ulkige kleine Songs über das Problem mit der Monogamie in langjährigen Beziehungen und findet dafür einen schönen Titel wie „I Love You But I Google Other People“. Mit dem Berühmtwerden klappt es bislang so wenig, dass Nele sogar eine kleine Dokumentation über das eigene Scheitern vorgelegt hat, in dem humorfreie deutsche Korinthenkacker undb betrunkenes britisches Pub-Publikum die wesentliche Staffage abgeben. Trost findet Nele, so scheints, nur im Vertilgen fetttriefender Wurst plus vier Spiegeleiern. Aber hey, it´s ok to fail! Even fun, somehow!

Die selbsternannte Chronistin der „Tragödien des Alltagslebens“ hat den Schalk in den Augenwinkeln blitzen. Wandelt auf den Spuren des Lebensgefühls, das seit seit den 60er Jahren und der universellen Verlierer-Hymne „Its My Party And I Cry If I Want To“ unverwüstlich durch die Pop-Zeitläufte geistert. Kein Wunder also, dass die flämische Chanteuse ihr dieser Tage erscheinendes Debütalbum nach just diesen Klassiker benannt hat. Und, Hand aufs Herz, so lange wir über unser Unglück lachen können, ist noch lange nichts verloren. „Mean folk and friendly lo-fi“ als Selbstdefinition trifft die Dinge hier nur halb. Das ist doch alles Pop, diese Leichtigkeit, diese Unbeschwertheit, diese Shangri-La-Gesänge! In der Welt von Nele ist die größte Katastrophe das Faktum ist, dass man, oh weh! schon 23 geworden ist! So weit ich das mit meinen äußerst limitierten Niederländisch-Kenntnissen überschaue, kann man vorübergehend via der Website des belgischen Standaard dem gesamten Erstlingswerk von Nele lauschen. Wozu angesichts der aktuellen Weltlage zwecks Aufheiterung nur angeraten werden kann. Denn wir brauchen die selbsternannten Tolpatsche unbedingt! Denn wer sonst käme auf die Idee, sich selbst im Erdbeer-Kostüm in Szene zu setzen und dabei auch noch Fahrrad zu fahren. Und dabei beiläufig mit Weisheiten aufzuwarten wie „life is easy if you don´t try to make it“. Jawoll!

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