Spröde Schönheit mit Benoît Lizen

Eine Sache haben der junge wallonische Singer-Songwriter Benoît Lizen und die isländischen Postrocker Sigur Rós gemeinsam: Beide singen in einer Phantasiesprache. Während die ungleich bekannteren Isländer ihr Idiom „Hopelandish“ nennen (und böse Zungen behaupten, es handele es sich bloß um eine leicht verfremdete Form ihrer Muttersprache, die sowieso nur knapp 300.000 Menschen weltweit geläufig ist!), hat der belgische Musiker keinen intellektuellen Überbau errichtet. Seine Phantasiesprache ist einfach nur da. Punkt.

Glaubt man den spärlichen Informationen, die im Internet über den blassen Jungmann bekannt sind, dann ist er Autodiktat und Eigenbrötler. Der seinen Stil irgendwo zwischen Folk und Blues ansiedeln will. Wir merken schon: Es geht hier um Reduziertheit aufs Wesentliche. Und um eine bewusste Zartheit und um den behutsamen Umgang mit Dingen. Im einzig vorhandenen Video des bislang sehr schmalen Lizen-Oeuvres bewegt sich der nachdenkliche Musiker durch winterliche Ardennen-Landschaften. Einen kargen Landstrich mitten in Europa, der von spröder Schönheit ist. Nur auf den oberflächlichen Blick hin sind die Ardennen friedliches Territorium. Über diese bewaldeten Hügel sind zwei Weltkriege hinweggezogen. Unvermittelt stehen hier Panzer auf Dorfplätzen, als Dank der Einwohner an die Befreiung durch die US-Armee im Winter 44/45. Eine Landschaft also, die ihre Geschichten und Geheimnisse hütet. Ähnlich mag es sich bei Herrn Lizen verhalten. Laute Töne mag er nicht anschlagen. Lieber mit leiser Falsettstimme über Dinge nachsinnen, die wir nur in Ansatzen verstehen. Es ist aber gerade diese bewusste Kargheit, die hier überwältigt. Wer nun neugierig geworden ist: Via Bandcamp hat der Barde im Frühjahr eine vier-Song-EP mir dem simplen Namen „Démos“ herausgebracht. Und beim Lauschen dieser reduzierten Töne entsteht eine kleine, aber sehr tröstliche Wärme.

 

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