Golden Leaves Festival mit Girls In Hawaii und Intergalactic Lovers

Am Ende des Abends gibt es eine dicke Umarmung von mir für Dominik Schmidt von den Bedroomdiscos: „Danke, dass ihr Girls In Hawaii nach Pfungstadt gebracht habt!“ Denn am zweiten Abend des Golden Leaves Festivals  sind die Sechs aus Brüssel die letzte Band, die bei diesem Festival im zwangsstillgelegten Schwimmbad auf der Bühne steht. Und nach all den ruhigen Singer-Songwriter-Tönen und den verträumten Electronica wird es nun endlich laut, leidenschaftlich und rockig. Wer diese Band wie ich vor einem Jahr bei einem ihrer ersten Auftritte nach der langen Trauerphase erlebt hat, die auf den Unfalltod ihres Drummers Denis Wielemans folgten, der reibt sich erstaunt die Augen: Abgelegt sind Schüchternheit und Zurückgenommenheit, vorbei sind die scheuen Blicke ins Publikum. Hier steht eine selbstbewusste, kraftvolle Band, die weiß, was sie will und kann. Und das bedeutet: auch wenn man vor mehr als zehn Jahren als empfindsame Indiepopster gestartet ist, heißt das noch lange nicht, dass man seine Wurzeln verleugnet, wenn man plötzlich die Lust an der Heftigkeit entdeckt. Wie Sänger Antoine Wielemans, der zu Frühzeiten der Band noch ungelenk auf der Bühne herumstand und nun den Alpinisten in sich entdeckt und halsbrecherische Klettertouren ober- und unterhalb der Bühne unternimmt. Und warum nicht? Wer einen Eindruck vom Wandlungsprozess der Girls erleben möchte, kann sich die schöne Live-Aufnahme vom diesjährigen Paléo-Festival auf Arte anschauen. Und dass die Band aus Brüssel das grenzwertmelancholische Tagträumen nicht verlernt hat, beweist sie mit ihren neuen Track „Connction“, der in zwei Wochen offiziell herauskommt. Das provisorische Video ist vor einem Dreivierteljahr beim Aufenthalt von Girls beim Iceland Airwaves Festival gedreht worden, das Gig im Konzerthaus Idno übrigens einer meiner absoluten Höhepunkte der Tage in Reykjavík!

Aber Girls sind nicht die einzige belgische Band, die in der südhessischen Provinz auftritt. Interglactic Lovers, die Band um Sängerin Lara Chedraou, überzeugen schon am Vortag mit wehleidigkeitsfreiem Befindlichkeitspop. In den Alltagsdinge mit einem ironischen Lächeln verzaubert werden und eine wunderbare Luftigkeit erreichen. Dabei ihre Rauhheit nicht verlieren. Diese Band aus Aalst (wo ist das denn?), sympathisch und lachbereit, ist ebenfalls auf angenehme Weise nachdenklich. Und sorgsam mit sich und ihren Instrumenten, jawohl! Wie sie sich an diesem Abend beim letzten Song nach und nach von der Bühne verabschieden, bis zuletzt nur noch der Mann am Bass übrig ist, großartig! Intergalactic Lovers sind im Herbst übrigens auf Mini-Tour in Deutschland, unter anderem auch beim Reeperbahn Festival.

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