Teufelszeug mit Girls In Hawaii

Belgische Musik? Gibt´s bei denen noch etwas anderes außer Fritten, Kirschbier und Tim/Struppi? Als bedeutende Vertreter belgischer Töne fallen den  meisten ohnehin nur Jacques Brel oder Plastic Bertrand ein und dann lange nichts. Falsch gedacht! Meist unbemerkt in Resteuropa ist unserem westlichen Nachbarland eine quirlige, kreative Musikszene entstanden, die immer wieder mit kleinen und großen Überraschungen überwältigt. Aber der erste Beitrag eines belgischen Musikblogs, das sich nach einem (leicht abgewandelten) Song- und Albumtitel einer persönlichen Lieblingsscheibe benannt hat, muss sich natürlich dem Schaffen ebendieser Band widmen: Girls In Hawaii. Bald zehn Jahre ist es her, dass ich eher zufällig im Heidelberger Karlstorbahnhof über diese Belgier stolperte und der taubenblauen Zärtlichkeit dieser anngenehm uneitlen Band verfiel, die aus ihren Songs kleine Gesamtkunstwerke schafft. Das Debüt- und Folgealbum stehen bei mir stets in Griffweite und gehören somit in die Liste der unverzichtbaren Ingredienzen der musikalischen Hausapotheke. Lange war zu befürchten, dass die Sechs aus Brüssel nach dem Unfalltod ihres Schlagzeugers Dennis Wielemans im Jahr 2010 für immer verstummt sein würden – und um so größer die Freude, als sie Ende 2013 mit dem dritten Album „Everest“ wieder aus den Tiefen der Trauer auftauchten. Mit komplizierteren, elektronischeren, erwachseneren und mitunter heftig euphorisierenden Songs!

Aber hier geht es um einen Track neueren Datums, um das schön schlunzige „Build A Devil“, in dem Sänger Antoine Wielemans gegen jede Menge Alltagsdämonen kämpft und dabei trotzdem eine schön schmuddelige Form der Verspieltheit kultiviert. Nein, brave Jungs sind das keine, diese Girls! Das stimmige Video wurde übrigens kürzlich von den Fans im Rahmen eines Wettbewerbs zum Sieger unter fünf Kandidaten gekürt. Das wäre nun nicht weiter erwähnenswert, wenn es sich bei dem Regisseur nicht um den 13jährigen Maurice Luijten handeln würde. Der die gesamte Konzeption und Umsetzung verantwortet und einen Schulfreund als Hauptdarsteller verpflichtete. Vielleicht sollte man leicht beunruhigt sein, dass dieser Jungspund einen deutlichen Hang zum Morbiden hat. Oder vielleicht sollte man doch viel eher dem Regisseur Guillermo Del Toro („Pans Labyrinth“) Bescheid sagen, dass in der belgischen Provinz ernst zu nehmender Nachwuchs heranwächst. Wer das Video nicht abspielen kann, sollte sich kurz mal hier schlau machen.

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